UCA Juli 2011

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Kapstadt, den 1.7.2011                                                                                                  UCANEWS 3/2011

Nach jahrelangem Druck beschloss die Niederdeutsche Reformierte (Buren)Kirche des West- und Südkaps im Mai 2011, das Belhar-Bekenntnis von 1982 als ein viertes Bekenntnis neben dem Heidelberger Katechismus, der Confessio Belgica und den Lehrsätzen von Dort anzuerkennen.

Was ist das Belhar Bekenntnis (BB)?

Das ‘Bekenntnis’ ist nach dem Ort seines Entstehens, einer Vorstadt von Kapstadt, benannt und wurde angeblich von den späteren Professoren Dirkie Smit und Russel Botman (Stellenbosch) aufgesetzt. Es soll ein ‘Schrei aus dem Herzen’ der nicht-weissen niederdeutsch-reformierten Missionskirchen sein, die fordern, mit ihrer Mutter-kirche strukturell und gleichberechtigt vereint zu werden. Das BB wird als Vorläufer des Kairos Dokuments angesehen, das 1986 im “Befreiungskampf” zum Umsturz der damaligen südafrikanischen Regierung aufrief.

Das Belhar Bekenntnis handelt von “Einheit, Versöhnung und Gerechtigkeit.” Es fordert die ausserordentlich missionstüchtige und gebefreudige Niederdeutsche Reformierte Kirche (NGK) auf, sich “allem zu widersetzen, was die Einheit bedroht.” Sie soll jede “sündhafte Trennung von Menschen” oder “Gründung separater Kirchen-formationen” als “Sünde” bekämpfen. “(Völkische und sprachliche) Abstammung und jeder andere menschliche oder gesellschaftliche Faktor” darf bei “Entscheidungen über Mitgliedschaft der Kirche” keine Rolle spielen. Die Kirche, heisst es, muss “mit Wort und Tat den neuen Himmel und die neue Erde bezeugen, wo Gerechtigkeit wohnt.” Die hergebrachte reformierte Lehre wird als “falsch” und zu “einer Ideologie” erklärt. Gott, so heisst es, sei “auf besondere Weise der Gott der Notleidenden, Armen und Verunrechteten und riefe seine Kirche auf, ihm hierin zu folgen… Die Kirche müsse deshalb den Menschen in jeder Art des Leidens und Mangels beistehen … und gegen jede Form der Ungerechtigkeit ankämpfen.… Sie müsse dort stehen, wo er (Gott) stände, nämlich an der Seite der Verunrechteten… gegen die Mächtigen und Privilegierten, die selbstsüchtig ihre eigenen Interessen suchen und so über andere herrschen und ihnen Schaden antun.”

Natürlich bauen Christen gern auf Einheit, Versöhnung und Gerechtigkeit, aber das Belhar-Bekenntnis bezieht sich auf mehr als nur die Rassengleichheit. Das wurde klar, als Dr Allan Boesak, Moderator der Vereinigenden Reformierten Kirche (Bündnis der früheren Missionskirchen) das Belhar-Bekenntnis zum Vorwand nahm, um die Homosexuality in Kirche und Pfarrhaus zu legitimieren. Als die Synode sich weigerte, dieses gutzuheissen, verliess er zornig die Versammlung und drohte, alle Ämter niederzulegen.

Schuldmanipulation

Dr Boesak ist ein Befreiungstheologe, der bis 1976 in Kampen, Holland, Schwarze Theologie und Schwarze Macht studiert und dort promoviert hatte. Seine Doktorarbeit lautete: “Lebe wohl, Unschuld – eine sozial-ethische Studie über Schwarze Theologie und Schwarze Macht.” - Er ist ein Mischling und Pastor der Niederdeutschen Reformierten Missionskirche (jetzt Vereinigende Reformierte Kirche), der wegen seiner Anti-Apartheid-Aktivitäten bei der internationalen Ökumene grossen Anklang fand. Auf der Ottawa-Konferenz 1982 wurde er zum Präsidenten des Reformierten Weltbundes gewählt. Bewaffnet mit dem Belhar-Bekenntnis, behauptete er, in Südafrika herrsche ein “status confessionis,” mit dem sich die Weltökumene befassen müsse. Die weisse südafrikanische (Buren)Kirche wurde daraufhin vom Reformierten Weltbund suspendiert.

Die Aussagen des Belhar Bekenntnisses (BB) bleiben jedoch fragwürdig – so z.B. die Worte, die Kirche müsse “mit Wort und Tat den neuen Himmel und die neue Erde bezeugen, wo Gerechtigkeit wohnt.” Dieses ist deutlich politisch gemeint, denn die Befreiungstheologie setzt das “Reich Gottes” mit dem “Sozialismus” gleich. Im Jahre 1982 definierte Bischof Desmond Tutu es so: “Wenn Gerechtigkeit über Ungerechtigkeit siegt wie in Zimbabwe, zeigt das, dass das Reich Gottes schon hier ist.” 2) Dr Allan Boesak erklärte: “Das neue Jerusalem ist keine künftige Welt irgendwo anders. Nein, das neue Jerusalem kommt vom Himmel in diese Wirklichkeit. Das neue Jerusalem ist keine Fata Morgana aus dem Jenseits… Es braucht nicht auf die Ewigkeit zu warten. Dieses neue Jerusalem wird aus der Asche all dessen erstehen, was heute Pretoria heisst. Denn das Alte ist vergangen.” 3) - Um das neue Jerusalem herbeizuführen riefen die Befreiungstheologen zu weltweiten Sanktionen, bürgerlichem Ungehorsam und Gebeten zum Sturz der Regierung auf. Sie agierten für den Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der damals noch als eine kommunistische Terror Organisation galt.

Auch die BB Erklärung, “Gott ist auf besondere Weise der Gott der Notleidenden, der Armen und Verunrechteten, und er ruft seine Kirche auf, ihm hierin zu folgen,” ist politisch zu verstehen. Auf der Generalversammlung des Welkirchenrats (ÖRK) 1980 in Melbourne, Australien, hatte Dr Boesak erklärt, dass “das Evangelium die gute Nachricht für die Armen,” aber “die schlechte Nachricht für die Reichen” sei. Das Kommen des Reiches würde deshalb eine “Zeit des Urteils für die Reichen sein.” 7) In gleichem Sinne sagte Bischof Tutu: “Gott sei Dank, dass ich schwarz bin. Weisse Menschen werden sich beim letzten Gericht für vieles verantworten müssen.” (Argus, 19.3.84) - Die Umverteilung des Besitzes war (und ist) für die Weltökumene eine wichtige Sache. In Melbourne erwartete man “von den geistlich bankrotten Kirchen in den kapitalistischen Ländern die materiellen Reichtümer und von den ‘Kirchen der Armen’ wegen ihrer grösseren Gottesnähe die geistlichen ‘Ressourcen.’” 5)

Obwohl Erzbischof Tutu, Dr Boesak und andere in späteren Jahren das inzwischen zugrunde gewirtschaftete Zimbabwe kritisierten, haben sie ihre Worte im obigen Sinne nie zurückgenommen. Warum also sollte das Belhar-Bekenntnis im Jahre 2011 etwas anderes aussagen als im Jahre 1982?

Neue Generation

Seit der Veröffentlichung des Belhar-Bekenntnisses (1982) sind fast 30 Jahre vergangen. Eine neue Generation hat die Führung der Kirche übernommen, eine Generation, die das revolutionäre Klima jener Tage nicht direkt erlebt hat. Es gibt schon lange keine Rassendiskriminierung mehr, ausser der Bevorzugung von Schwarzen (affirmative action). Die neue Generation Pastoren wurde liberal erzogen. Ihre Geschichte wurde verteufelt. Sie haben also nicht die alte Glaubens- und Standfestigkeit ihrer Vorfahren und verstehen nicht die grossartigen Errungenschaften ihrer Kirche und ihres Volkes. Deshalb sehen sie auch keinen Arg im Belhar-Bekenntnis. Im Gegenteil: weil sie es satt sind, dauernd des Rassismus, der Irrlehre und Sünde angeklagt zu werden, begrüssen sie es als einen Friedensbringer.

Quo Vadis Belhar?

Was aber soll es bedeuten, wenn man einer Kirche, deren heutige Mitglieder nichts mehr mit Apartheid zu tun haben, eine solche Erklärung aufzwingt? Soll hier eine Schuld festgeschrieben werden, die keine Schuld ist? Soll die reformierte Lehre verdorben und mit einer säkular-humanistischen Religion ersetzt werden?. Wir leben im sozialistisch-demokratischen Zeitalter, in dem alles Absolute abgeschafft wird. Das Absolute der Schöpfungs-ordnung, das Absolute des Moralgesetzes, das Absolute der Person, des Wortes und Werkes Gottes. Das einzig erlaubte Absolute ist die absolute Gleichheit. Das Belhar-Bekenntnis fordert diese Gleichheit auf allen Ebenen. Es war also kein “Versehen”, dass man im Jahre 2008 aufgrund des BB homosexuelle Verbindungen mit dem biblischen Ehestand gleichsetzen und kirchlich absegnen wollte. Es war eher ein Vorläufer.

Die Akzeptanz des Belhar-Bekenntnisses deutet auf die Umfunktionierung der Kirche zum Schrittmacher des Sozialismus und der neuen Weltordnung. Möge daher Gott, trotz allen menschlichen Versagens, das reformierte Erbe neu beleben und erhalten und damit Südafrika neue Beständigkeit und Segen bringen.

”Es gefällt manchem ein Weg wohl; aber endlich bringt er ihn zum Tode.” (Spr. 14,12; 16,25)

“Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählest und du und dein Same leben möget.” (5. Mose 30,19)

                                                                                    D. Scarborough.

Anmerkungen:
1. Das Belhar-Bekenntnis gibt es im Internet auf Englisch, Afrikaans und Xhosa.  
2. Ecunews 11/1080; der Erzbischof und die Bibel, Gospel Defence League 1986.    
3. A. Boesak, Ansprache auf dem Kirchentag, Frankfurt, BRD, 21.6.1987.  
4. P Beyerhaus, Aufbruch der Armen, ÖRK Versammlung, Melbourne, 1980, S. 173.    
5. Ibid. S. 178.


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