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UCA August 2010

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Kapstadt, den 1. August 2010                                                                                       UCANEWS 4/2010

Die Fussballweltmeisterschaften waren ein grosser Erfolg. Überseeische Besucher waren beeindruckt vom Organisationstalent und begeistert von der Freundlichkeit der Südafrikaner. Sie genossen die überschwengliche afrikanische Art. Die Fussballfreunde waren aus 32 Ländern und von jedem Kontinent gekommen. Allein die acht Spiele, die in Kapstadt stattfanden, hatten 1,6 Millionen Zuschauer angelockt, ob im Stadion oder den für die “Fans” festlich gestalteten anderen Schauplätzen. Auch die Christen, einheimische wie ausländische, kamen in Scharen, um unter den vielen Menschen hunderttausende Traktate und Evangeliumsbüchlein, Neue Testamente, Bibeln, Kinderbücher und DVDs in verschiedenen Sprachen zu verteilen. Sie sprachen Themen an wie “zerstörte Hoffnungen” und “verlorene Träume,” und fragten schliesslich: “Wo willst du die Ewigkeit zubringen?” Dann wiesen sie auf “den grössten Menschen, der je gelebt hat,” den “auferstandenen Christus.” Selbst für die Kinder wurde wunderbar gesorgt. Wegen der besonders langen Winterferien organisierten die einheimischen Kirchen überall Ferienklubs, und einige Sportler zeigten der Township Jugend wie man erfolgreich Fussball spielt.

Jeder Südafrikaner (ja jeder Afrikaner) war froh und stolz, die Fussball Touristen willkomen zu heissen, und sei es auch nur mit einem Lächeln, freundlichen Wort, Scherz oder einer helfenden Hand. Die Besucher waren bereichert von dem christ-lichen Geist der Einheimischen. Selbst der ‘deutsche’ Nationalspieler Cacau erklärte, dass er die Bibel auf Portugiesisch und Deutsch lese und daraus Kraft, Freude und Zuversicht schöpfe. Auf seine Kindheit in Brasilien und die Armut in Südafrika angesprochen, sagte er: “Wir haben in der westlichen Welt eine falsche Vorstellung davon, was Zufriedenheit angeht und Glück. Wir denken, ein neues I-Phone, ein schönes Haus mit Sauna – das ist Glücklichsein. Aber das Leben ist viel mehr als das. Für mich war es damals als Kind eine Freude, mit dem zurechtzukommen, was wir hatten.” 1)

Erneute Forderung nach Nationalisierung

Sechs Wochen lang waren alle Spannungen, die durch die anhaltenden Farm Morde entstanden waren, vergessen. Selbst Julius Malema, der Führer der ANC-Jugendliga, hörte auf, seine revolutionären Lieder zu singen. Aber sowie die Spiele vorbei waren, fing die ANC-Jugendliga wieder an zu fordern, dass Farmen und Bergwerke verstaatlicht werden sollten. Die Liga will “die regierende Partei ermutigen, das Landreform-Programm Zimbabwes nachzuahmen.” Sie sagte: “Viele Leute verstehen das, was in Zimbabwe geschieht, falsch. Im Grunde ist nichts verkehrt am dortigen Landreform-Programm.” 2) Solch ein Denken entspricht ganz der kommunistischen “ANC Freiheits Charta” von 1955, in der es heisst: “Der Mineralienschatz unter der Erde… soll in den Besitz des Volkes übertragen werden… Das Land soll an die wieder verteilt werden, die darauf arbeiten…” Jedoch der Fall Zimbabwe (und anderer kommunistischer Länder) zeigt, dass das, was mit “Volk” gemeint ist, nicht etwa die schwarzen Landarbeiter, sondern die Führer der Partei sind. Auch in Südafrika bereichern sich die Führer der Partei. Viele prominente ANC-Mitglieder sind sehr wohlhabend geworden. Am 14.5.2010 fragte die Cape Times mit Hinsicht auf Julius Malema: “Wie konnte ein junger Mann von 29 Jahren, der nur wenig Bildung hat, ein Vermögen anhäufen, das dem Vernehmen nach rund R53 Millionen beträgt?” 3)

Die Antwort kommt, zumindest teilweise, von dem Afrika-Kenner Dr Erich Leistner. In einem Vortrag sprach er über die verchiedenen Interessengruppen innerhalb des ANC, “deren Energie sich auf Kosten des Gemeinwohls in Kämpfen um Einfluss und Posten erschöpft, die hemmungslose Gier nach Selbstbereicherung auf allen Ebenen - von der Spitze bis zum letzten Parteifunktionär, und den Mangel an ethischen Werten wie Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl, Fleiss, Selbstkritik und Bescheidenheit…” Er sagte: “Sie betrachten es als wichtiger, dass Amtsträger die schwarze (nicht etwa braune) Hautfarbe haben, als dass sie imstande sind, ihren Aufgaben zu genügen. In diesem Geiste wurde die öffentliche Verwaltung bis auf die Lichtpunkte im Geld-, Bank- und Steuerwesen gänzlich ruiniert… Die verheerenden Zustände bei halbstaatlichen Organisationen wie Eskom (Elektrizität – D.S.), SA Airways (Fluglinie), Transnet (Verkehr), SABC (Südafrikanischer Rundfunk) oder Denel (Rüstung) und die enormen Beträge, die ihre Misswirtschaft den Steuerzahler kosten – ca. R243 Milliarden in den letzten vier Jahren – sind die unvermeidlichen Folgen von Stellenbesetzung nach politischen und Rassegesichtspunkten.” 4)

“Du sollst nicht stehlen.”

Margaret Thatcher hat einmal gesagt: “Das Schwierige am Sozialismus ist, dass man früher oder später das Geld anderer Menschen ausgegeben hat.” Mit anderen Worten, man kann nicht ewig nur stehlen. Der Zusammenbruch kommunisti-scher Systeme und die Armut Osteuropas haben das bewiesen – ebenso wie die schlimme Lage in Zimbabwe. Das achte Gebot, “Du sollst nicht stehlen,” bezieht sich nicht nur auf den einzelnen Menschen, sondern auch auf Körperschaften und Regierungen. Das Gebot verbietet jede Art von Diebstahl – auch Sozialismus, Kommunismus, Inflation, Bevorzugung (affirmative action), Bereicherung (tenderpreneurship), und alles andere Stehlen, sei es Zeit, Geld, Lohn, Mass, Gewicht oder Qualität – sei es Land, Freiheit oder Ideen. Denn Gott will, dass der Mensch sich die Erde untertan mache, und dazu braucht er Geld und Gut, denn das Kulturmandat soll zur Ehre Gottes und im Sinne des grossen Auftrages Jesu Christi erfüllt werden, der da gesagt hat: “Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe…” (Matthäus 28:18-20)

Nun da die Fussballweltmeisterschaften vorbei sind, sind viele Menschen wieder arbeitslos. Der Wirtschaftsexperte Mike Schüssler sagt, in Südafrika gäbe es bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 50 Millionen 12,9 Millionen Menschen, die arbeiten, und 5 Millionen, die Steuern zahlen. Es gibt aber auch 13,6 Millionen Menschen, die Wohlfahrtszulagen bekommen und dazu gratis Wasser, Elektrizität, Miete und ärztliche Behandlung. Also ist die Zahl der Wohlfahrts-empfänger grösser als die Zahl derer, die die Sozialhilfe erst erarbeiten müssen.

Die Armut ist ein wirkliches Problem, selbst für eine wachsende Anzahl von Weissen. Die Zeitung Die Afrikaner schätzt, dass es 800.000 Weisse gibt, die unter der Brotlinie leben. Viele, die durch schwarze Bevorzugung arbeitslos wurden, leben bereits in Elendssiedlungen (Squatter camps). In und um Pretoria herum gibt es mehr als 80 solcher weissen Siedlungen, von denen die Aussenwelt praktisch nichts weiss. 5) Obwohl weisse Südafrikaner die meisten Steuern zahlen, ist die Unterstützung vonseiten des Staates kärglich. Selbst Kirchen und Geschäftsleute spenden ihre guten Gaben fast ausschliesslich für Nicht-Weisse. 6)

Das achte Gebot

Der reformierte Kürzere Westminster-Katechismus stellt die Frage: “Was fordert das 8. Gebot?” und antwortet: “Das 8. Gebot fordert für uns und andere das ehrliche Verschaffen und Erhalten von Wohlstand und Ansehen.” - Wieder fragt er: “Was verbietet das 8. Gebot?” Und die Antwort ist: “Das 8. Gebot verbietet alles, was unseren und unseres Nachbarn Wohlstand und Ansehen auf ungerechte Weise hindert.”

“Wenn dein Bruder verarmt und neben dir abnimmt, so sollst du ihn aufnehmen als einen Fremdling oder Gast, dass er lebe neben dir, und sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Wucher, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, auf dass dein Bruder neben dir leben könnte.” (3. Mose 25,35-36) Christus, unser Herr, sagt: “Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.” (Matthäus 25:40)

Hilft es einem Lande, wenn es seine produktivsten Menschen verarmen lässt? Früher hiess es immer, dass ein Weisser durch seinen Unternehmungsgeist und seine Arbeitskraft genug Arbeit für 10 Schwarze schafft. Wenn das stimmt, dann könnten die 800.000 Weissen, die jetzt in Armut leben, gut ein Grund für den Verlust von Millionen schwarzer Arbeitsstellen sein.

Nach den Fussballweltmeisterschaften fragen sich die Südafrikaner: “Was ist der bleibende Vorteil, den uns die Spiele gebracht haben?” Sie suchen nach etwas Schönerem, etwas Höherem. Möge es ein neuer Respekt aller Südafrikaner für einander sein. Gott hat in seiner Güte die Gebete beantwortet, die vor und während der Weltmeisterschaften zu ihm aufstiegen. Wir sollten Ihm deshalb weiterhin dankend vertrauen und mit viel Gebet “das ehrliche Verschaffen von Wohlstand und Ansehen” bei einander fördern.

                                                                                                            D. Scarborough.

Anmerkungen:
1.      Topic Nr. 7, Juli 2010
2.      Sunday Times, Nationalisation: on ANC’s Agenda, 18.7.2010
3.      Cape Times, Behind Julius Malema’s façade of buffoonery lies a clever, calculating mind, 14.5.2010
4.      Dr Erich Leistner, former head of the Africa Institute, Südafrikas heutige politische Situation, Vortrag vor der Südafrikanisch-Deutschen Kulturgesellschaft, Pretoria, 25.2.2010
5.      Die Afrikaner, Meer mense op welsyn as wat werk, 9.-15. Juli, 2010. Weissen Squattern helfen vorwiegend der Doulos Armendienst, die Gewerkschaft Solidarity und Noodhulp 2000 (Einzelheiten sind zu erfahren bei: Die Afrikaner, Posbus 1888, Pretoria 0001, Tel 012-335-8523, Fax 012-335-8518). Siehe auch Die Afrikaner, Ekonomiese Volkskongres? 7.-13. August 2009.


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